Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 900 Gäste online

Neue Kommentare

Gerd Kruse zu 100 Jahre Volksspielbühne Hüsung : Hallo Frau Lampert,
ich war durch meine He...

Herby Neubacher zu Elbphilharmonie: Das perfekte Buch zum Bau: Absolut richtig. Ich habe das gabnze Drama Elbphi...
Giulio zu „Die Spur”. William Blake und die Rache der Eigenbrötler : Prost Neujahr! Und danke für die vielen schönen...
Hubert Hoffmann zu Elbphilharmonie: Das perfekte Buch zum Bau: Ein Prestige -Objekt für die oberen Zehntausend....
Feindt zu Hamburg: Ein Museum im Hafen: Ein schönes neues Museum und wo bleibt die Berü...

CDs JazzMe

Slowly Rolling Camera: Slowly Rolling Camera

Drucken
Freitag, den 25. Juli 2014 um 14:39 Uhr
Slowly Rolling Camera

Irgendwie denkt man sofort an Portishead oder Massive Attack – aber der Vergleich hinkt. Slowly Rolling Camera passen lediglich in die gleiche Schublade. Doch diese, ebenfalls britische, Formation klingt ganz anders: Eine bislang nie gehörte Allianz aus Kommerz, Können und Kunst. Hier wirkt nichts angestrengt sondern auch in den avantgardistischsten Passagen spielerisch. Falls Musik noch eine Zukunft hat – hier ist sie!!!!

Sanfte Klänge umschmeicheln das Ohr. Anscheinend ein Kontrabass, der einfühlsam gestreichelt wird. Dann setzen Keyboards und der Gesang ein – fügen sich passgenau in das wohltemperierte Arrangement. Ist das zeitgenössische E-Musik? Ein Filmsoundtrack? Trip-Hop mit Soul? Adult Jazz? Oder doch nur Art-School-Pop?

Slowly Rolling Camera: Slowly Rolling CameraEine Brücke zu Portishead und Massive Attack gibt es trotzdem: den Produzenten Andy Allan. Der Soundtüftler aus Bristol versuchte dem Quartett noch nicht einmal den Einsatz der produktionstechnisch teuren Violinen, Bratschen und Celli auszureden. Ganz im Gegenteil – er arrangierte alle Komponenten (inklusive Synthies, Loops etc) zu einem fast optimalen Mix. Aufdringliche Zitate ebnete er ein, musikalische Assoziationsketten von John Coltrane über serielle TV-Musik bis zu sakralen Chören wieß er herausragende Positionen zu.

Manchmal (“Dream A Life”, „Bridge“ ) fühlt man sich an die Titelmelodie der amerikanischen Kult-TV-Serie “Mad Men” erinnert, bei den träumerisch fragilen Klängen von “Rain That Falls” glaubt man perlende Regentropfen an der Fensterscheibe hinunter rinnen zu sehen. “Bridge” ist höllisch gut – ausgeruht, fast konzertant. Könnte aus Miles Davis’ Cool-Phase stammen. Oder „Outside“ – ich fasse es nicht: War Freejazz vielleicht doch kein Irrtum der Musikgeschichte?

Chris Montague’s kantige E-Gitarreneinsätze harmonieren perfekt mit Dionne Bennett’s timbreicher Stimme – werden von Dave Stapletons Fender Rhodes kongenial unterfüttert. Alleine durch die Imaginationskraft lyrisch wirkender Saxophonklänge tauchen Schwarzweißfotos aus dem Paris der fünfziger Jahre vor dem geistigen Auge auf und werden sofort ins Kopfkino projiziert. Tagträume überfluten den Hörer. Döst man, ist man überhaupt noch wach, träumt man?

Überambitioniert wirkt lediglich das (trotzdem noch sehr gute) “Slow Rolling Camera” in dem zu viele schöne aber auch disparate Elemente durch fast sakral wirkende Uuuuuuhu-Chöre nur notdürftig zusammengebunden werden. Überflüssig klingt „Rolling Clouds“ – ein sinnlos fröhlicher Plastikaufguss aus Sebastian-Bach-Assoziationen, Gitarrengedaddel, Coltrane-Gedenk-Gedudel und Fusion-Gedödel. Aber sogar Popfans werden hervorragend bedient. Mit „Fragile Ground“ beweist die Band nicht nur durch Bennetts Stimme wie nahe Jazz gutem Pop sein kann.
Jetzt aber Schluss mit den Lobeshymnen: Ehrfurcht! Das müsst Ihr selbst erleben! Alles was man über diese CD schreiben kann, ist nur unvollkommen – lausig …. dilettantisch…. Dieses Album muss man HÖÖÖÖÖÖREN!

Label: Edition/Soulfood
Foto: © PR/Claire Cousin

Hörprobe 1
Hörprobe 2


JazzMe - In Kooperation mit Christoph Forsthoff, Sabine Meinert, Sven Sorgenfrey und Willy Theobald. Weitere CD-Kritiken, Interviews und Informationen aus der Welt des Jazz unter AboutJazz.

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Kolumne > CDs JazzMe > Slowly Rolling Camera: Slowly Rolling Camera

Mehr auf KulturPort.De

James Rosenquist. Eintauchen ins Bild – vom Plakatmaler zur Pop-Art-Ikone
 James Rosenquist. Eintauchen ins Bild – vom Plakatmaler zur Pop-Art-Ikone



Speckstreifen fliegen durch das Weltall, rote Lippenstifte und Atompilze verkünden das nahende Inferno, Butterstücke zerfließen in einer Pfanne, Spaghetti mit [ ... ]



„Die dunkelste Stunde”. Winston Churchill und die Mobilisierung der Sprache
 „Die dunkelste Stunde”. Winston Churchill und die Mobilisierung der Sprache



Joe Wrights eleganter Politthriller „Die dunkelste Stunde” ist das Gegenstück zu Christoper Nolans überwältigendem Suspense-Epos „Dunkirk”. Zwei Filme [ ... ]



Die arabische Prinzessin – Von Leseratten, Fischverkäufern und einer Märchenoper, die nie geschrieben wurde
 Die arabische Prinzessin – Von Leseratten, Fischverkäufern und einer Märchenoper, die nie geschrieben wurde



Im Opernhaus in Hamburg schallen Kinderstimmen durch die Gänge: Es ist wieder opera piccola-Zeit!
Bevor die Kinderoper im Februar auf die Bühne geht, ist im H [ ... ]



Die Diktatur des Geldes – Finanz Tsunami
 Die Diktatur des Geldes – Finanz Tsunami



Ernst Wolff: „Finanz Tsunami. Wie das globale Finanzsystem uns alle bedroht“
Es ist wie es einmal war und heute noch ist: Ein Ausspruch von Henry Ford, des  [ ... ]



Verdis „Rigoletto“ als Genderfrage inszeniert von Katharina Thalbach
 Verdis „Rigoletto“ als Genderfrage inszeniert von Katharina Thalbach


  War es Absicht, dass rund um das Fest der Liebe die Kölner Oper ausgerechnet Giuseppe Verdis Bühnenstück „Rigoletto“ – das 1851 den Wel [ ... ]



„Three Billboards Outside Ebbing, Missouri”. Oder die Heimat des Zorns
 „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri”. Oder die Heimat des Zorns



Genialer Genre-Mix aus Neo-Western und Kleinstadt-Satire.
Manchmal ist es leichter einen Molotow-Cocktail zu werfen als zu weinen. Mildred Hayes (Frances McDorm [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.