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Downbeat-Jazz – Das Trio Elf und die MusicBoxMusic

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(130 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Geschrieben von Claus Friede  -  Freitag, den 12. August 2016 um 10:09 Uhr
Downbeat-Jazz – Das Trio Elf und die MusicBoxMusic 4.6 out of 5 based on 130 votes.
Downbeat-Jazz  Das Trio Elf und die MusicBoxMusic

Vielseitigkeit ist nur einer von vielen Begriffen, den man für die neue Silberscheibe des Trio Elf zur näheren Bestimmung heranziehen kann. Weitere sind Experimentierfreude, Dynamikkreativität und Musiklyriker.
„MusicBoxMusic“, so der Titel des neuen Albums, das Ende August erscheint, wird nicht nur die Fans des Trios erfreuen. Es ist ein außerordentliches und warmherziges Substrat einer über zehnjährigen Geschichte. Zugegeben, es gibt einen Abgang (Sven Fuller) und einen Neuzugang in der Person von Peter Cudek am Bass, was wohltuend produktiv für das Trio gewirkt hat, ist das Repertoire nun nicht nur gehörig verändert, sondern auch qualitativ noch gesteigert worden. „Für uns ist es immens wertvoll, die Ruhe und gleichzeitig Kraft, die Peter Cudek einbringt, musikalisch umzusetzen“, sagt Walter Lang.

Das Trio Elf macht Laune – lebensfroh, schöpferisch, ernst bis humorvoll
Die „MusicBoxMusic“ steht für den lyrisch-expressiven Rhythmus seiner eingespielten und erfahrenen Musiker. Egal wie unterschiedlich die elf Stücke auch sind, sie nehmen allesamt die Hörer mit. Die Vielseitigkeit ist keine positive Entschuldigung für die notorisch skeptische Frage, ob es sich nicht eigentlich um Stilwillkür handeln könne. Nicht, wenn dialogische Reibung und Gegenüberstellung Teil des Konzepts sind und die Kombination expressis verbis definiert ist. Auffallend neu – und dies wird auch von den Machern so formuliert – ist die „Parität der Kompositionen“ neben der, der Instrumente. Auch dies beides sorgt für die besagte Vielseitigkeit.
Walter Lang: „Gerwin Eisenhauer wurde durch Peter Cudek regelrecht dazu animiert, eigene Kompositionen zum Album beizusteuern. Das Ergebnis ist für mich beeindruckend“.

Nach 46-Minuten ist man hellwach und mitgerissen
Trio Elf MusicBoxMusic CoverDem ruhigen groovigen Klang von „Emptiness“ (von Peter Cudek), des ersten Stücks des Albums, wird gleich beim nachfolgenden „Krumm“ (Gerwin Eisenhauer) ein scharfkantiger, etwas exaltierter Sound gegenübergestellt. Nicht allein die Rhythmen und Taktwechsel sorgen für Dynamik, auch die Aneinanderreihung der Stücke auf der CD tun dies.
Unerwartet meint man bei „Salutation to the Sun“ (Peter Cudek) einer Johann Sebastian Bach-Komposition im Intro zu lauschen oder bei „Dança da Fita“ einer vergnüglich aufgezogenen singenden Spieluhr (music box) im Opener folgen zu können. Humorvoll bis selbstironisch sind die Musiker dort, wo es das Wort-Sinn-Spiel zwischen der Jazz-Polizei und „The Elf Police“ (Walter Lang) gibt. Das harmoniegeladene Stück lebt von seiner Unaufgeregtheit, beschreibt in seinem Klangvolumen vielmehr spielerische Normalität, als einen erhobenen Zeigefinger oder Belehrungszwang.
Rhythmusbetonte Stücke wie etwa „Tripolis“ und „Usain“ (beide Walter Lang) interagieren mit zeitlosen, langsam Dynamik-aufbauenden Werken wie „Stadium“ (Gerwin Eisenhauer) oder mit sonoren ruhigen Klängen bei „Lullaby for a Weakling Child“ (Gerwin Eisenhauer). Letzteres erinnert in seiner musikalischen Idee an die immer wiederkehrende Titelmelodie im Film „Night on Earth“ von Jim Jarmusch.
„Suq“ (Walter Lang) schließt „MusicBoxMusic“ mit einer sehr eingängigen Melodie ab. Geschwindigkeit impliziert hier den arabischen quirligen Markt, der zwischen Neugierde, Suche und Jagdinstinkt oszilliert.
Überhaupt sind mindestens drei Titel mit arabischen Wurzeln versehen (Tripolis, Usain und Suq). Ob es dafür Gründe gibt? „Assoziative“, sagt Walter Lang: „erst beim Hören der Musik kamen wir auf die Titel. Bei ‚Tripolis’ erschien mir nach dem Hören des Stücks das innere Bild der libyschen Hauptstadt. ’Usain’ spielt auf den Jamaikanischen Sprinter Usain Bolt an, dessen Geschwindigkeit ich im Stück wiederfand. Und bei ‚Suq’ inspirierte mich eine Reise nach Istanbul vor einiger Zeit.“

Trio Elf: MusicBoxMusic
Gerwin Eisenhauer (Drums), Walter Lang (Piano), Peter Cudek (Bass)
CD
Label: yellowbord / enja
EAN: 767522776522
VÖ: 30.8.2016
YouTube-Video:
Trio Elf records Suq (Walter Lang jun.) at Nilento Studios


Abbildungsnachweis:
Header: © Trio Elf/PR
CD-Cover
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