Zum Anfang

Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 793 Gäste online

Neue Kommentare

Olivgrüner, harter Mann zu „Frantz” – Oder die tiefere Wahrheit der Lüge: Lubitsch? Na klar, das Szenario kam mir doch glei...
Friedrich von der Lange zu „Snowden” – Patriot oder Verräter? : Von keinem anderen, als von Ollie Stone hätte ic...
Hein Daddel zu „Alice und das Meer” – oder das Ende der Treue: Ein starker Film über eine starke Frau. Sehr gut...
Gerhard P. zu OKRA – Piano & Field Recordings: Wunderbar und spitzfindig geschrieben. Macht Spa...
Hans G. Gohlisch zu Chefredakteur von ZEIT ONLINE spricht über "Community Engagement und New Storytelling: Eigentlich habe ich einen Bericht über David Hoc...

Anzeige

Spezial - Lange Nacht der Museen Hamburg 2016

Spezial - Hamburger Architektur Sommer 2015


CDs JazzMe

Nils Landgren with Janis Siegel: some other time

Drucken
(148 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Geschrieben von Claus Friede  -  Mittwoch, den 27. Januar 2016 um 11:01 Uhr
Nils Landgren with Janis Siegel: some other time 4.6 out of 5 based on 148 votes.
Nils Landgren with Janis Siegel: some other time

Es ist ein ambitioniertes und aufwendiges Projekt, das sich der schwedische Posaunist Nils Landgren für einen der großen amerikanischen Fürsprecher des Jazz vorgenommen hat. Die Rede ist von Leonard Bernstein (1918-1990).
Zwar stammt die Idee eine Hommage dem großen Musiker des 20. Jahrhunderts zu widmen von ACT-Chef Siggi Loch, doch sie hätte nach eigenen Aussagen auch von Landgren selbst kommen können. Pünktlich zum 60. Geburtstag von Landgren, im Februar, erscheint am kommenden Freitag in Deutschland eine CD, zu der sich der „Mann mit der roten Posaune“ die in New York lebende Sängerin Janis Siegel an die Seite geholt hat. Siegel – 1972 Gründungsmitglied der Vokalgruppe „The Manhattan Transfer“ und parallel mit beeindruckender Solokarriere und Grammy-Auszeichnungen, ist das gesangliche Rückgrat des Albums.

Cover Landgren - SiegelArrangiert wurde das ganze vom 54 Jahre alten US-amerikanischen Jazzmusiker und Komponisten Vince Mendoza. Mitglieder der Bochumer Symphoniker und das „All-Star-Trio“ mit Wolfgang Hafner, Dieter Ilg und dem schwedischen Pianisten Jan Lundgren bilden das Gehäuse der 2015 aufgenommenen Produktion.

Trotz all der Stars und der hochkarätigen Besetzung überzeugt das Album nicht – und das liegt leider an Nils Landgren selbst. Landgren fehlt die Stimme und die Gestaltung und Vielfalt ihrer und kommt letztlich langweilig daher. Auch musikalisch überzeugt der Schwede auf diesem Album nicht, er wirkt irgendwie inspirationslos, ohne den Biss, den er einst einmal hatte und ihm fehlt hier, was Bernstein auszeichnete, die adäquate und immer wieder sich selbsterfindende Vermittlung. Dieses Album zeigt etwas deutlich, was schon seit einigen Jahren sicht- und hörbar wurde: Landgren scheint alles zu machen und machen zu wollen. Er ist ein notorischer Ja-Sager und verzettelt sich. Ihm fehlt offensichtlich eine Atem- und Nachdenkpause, ein In-sich-kehren und das überdenken des Ist-Zustandes in Hinblick auf seine Vergangenheit. Der Begriff Vielseitigkeit mündet in einer tragischen Durchschnittlichkeit und einem Manierismus.

Da kann die Verehrung für Bernstein noch so groß sein – wenn Landgren „A Quiet Girl“ und „Somewhere“ zu Einschlafliedern werden lässt, liegt da ein vehementes Missverständnis vor. Denn nicht der gesangliche Interpret soll „quiet“ – zurückgenommen sein, sondern die beschriebene. Das spannende wäre gewesen, wenn zwei unterschiedliche Charaktere und Temperamente aufeinander gestoßen wären und nicht zwei Schlaftabletten. „Sorry, but there is no time for us“, dear Nils Landgren.

Schon beim zweiten Stück des Albums „Some Other Time“ klafft die vokale Ebene zwischen Janis Siegel und Nils Landgren auseinander. Abgesehen davon, dass der Schwede hier und da Schwierigkeiten hat den Ton sauber zu halten – was hier durchaus notwendig gewesen wäre, formt seine Stimme nicht den Inhalt über den er singt, noch trägt sie.
Da ist es gleich eine Wohltat, wenn Landgren zur Posaune greift und routiniert das macht, was er nun wirklich kann. Könnte Landgren das mit der Stimme was er mit der Posaune vermag, wäre diese Rezension eine andere, auch wenn mich sein immer wiederkehrender routinierter Posaunen-Ansatz hier und da stört, ja sogar ärgert, weil ich weiß, er kann es anders und besser.

Cool ist „Cool“ – Stück Nummer drei – leider zu Beginn auch nicht. Erst in den reinen instrumentalen Passagen ist das Stück soetwas wie Genuss.

„The Story of My Life“ – gesungen von Janis Siegel – ist hingegen wie von einem anderen Stern. Sie setzt Akzente, pointiert den Gesang, ist in der Langsamkeit alles andere als ermüdend – sie wird selbst zum Poem.

„Maria“ aus der „West Side Story“ überzeugt hingegen und endlich. Der Bigband-Sound der ausgewählten Musiker der Bochumer Symphoniker, des Nils Landgren Quartets und das Arrangement von Mendoza zeigen eine spannende Dramaturgie und resultierend, ungewöhnliche Klangbilder. Aber das allein ist eben zu wenig.

Nils Landgren with Janis Siegel: some other time
Nils Langren: Posaune, Gesang; Janis Siegel: Gesang; Jan Lundgren: Piano; Dieter Ilg: Bass; Wolfgang Hafner: Schlagzeug; Mitglieder der Bochumer Symphoniker; Arrangement: Vince Mendoza
CD und LP inkl. Downloadcode (mp3)
ACT
EAN: 614427981325
Hörprobe
YouTube-Video: Nils Landgren with Janis Siegel "Some Other Time - A Tribute To Leonard Bernstein"


Abbildungsnachweis:
Header: v.l.n.r.: Vince Mendoza, Janis Siegel & Nils Landgren © ACT / Lutz Voigtländer
CD-Cover

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

avatar marion Vogel
+7
 
 
Ich kann dem nur zustimmen, denn das Lifekonzert in Berlin ( 19.01.2016 ) war absolut ein Highlight,
was man auf dem Album leider nicht merkt. Ich war sehr enttäuscht und hätte mir die Ausgabe sparen könne.
also, am besten nur life zuhören.
Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Kommentar abschicken
Abbrechen
Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Mehr auf KulturPort.De

Macy Gray: Stripped
 Macy Gray: Stripped



Endlich! Ein Fan von R&B-Sternchen Macy Gray und ihrer wunderbar rauchigen Stimme bin ich seit dem ersten Album. Leider präsentierte die Ex-Backup-S&au [ ... ]



„Frantz” – Oder die tiefere Wahrheit der Lüge
 „Frantz” – Oder die tiefere Wahrheit der Lüge



In seinem elegischen Nachkriegs-Epos inszeniert Regisseur François Ozon die schmerzhafte Verstrickung von Trauer, Träumen, Schuld und Liebe als deuts [ ... ]



Knauer, Safaian, Schumacher: Zeitloses Treiben in Bachs Notenmeer
 Knauer, Safaian, Schumacher: Zeitloses Treiben in Bachs Notenmeer



In der CD-Reihe „Neue Meister“ präsentieren Arash Safaian, Sebastian Knauer und Pascal Schumacher die Musik nach Motiven von Bach so, wie der Meiste [ ... ]



Reeperbahn Festival 2016: Auf der Suche nach der Kunst
 Reeperbahn Festival 2016: Auf der Suche nach der Kunst



Die Autorin dieses Beitrags ist begeisterte Reeperbahn Festival-Besucherin, schaut sich aber neben dem umfassenden Konzertangebot besonders gerne im „Arts& [ ... ]



Die Zauberflöte in Hamburg: Herzattacke in der Staatsoper
 Die Zauberflöte in Hamburg: Herzattacke in der Staatsoper



Radikal entschlackt, mit großen Lichtvorhängen ins Computerzeitalter gebeamt, lässt Regisseurin Jette Steckel die Neuinszenierung von Mozarts Opernhit „ [ ... ]



„Snowden” – Patriot oder Verräter?
 „Snowden” – Patriot oder Verräter?



Das Schlachtfeld heißt Cyberspace, und für US-Regisseur Oliver Stone ist sein Protagonist ein Widerstandskämpfer mit Vorbildfunktion. Ziviler Ung [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.