Zum Anfang

Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 925 Gäste online

Neue Kommentare

Friedrich von der Lange zu „Snowden” – Patriot oder Verräter? : Von keinem anderen, als von Ollie Stone hätte ic...
Hein Daddel zu „Alice und das Meer” – oder das Ende der Treue: Ein starker Film über eine starke Frau. Sehr gut...
Gerhard P. zu OKRA – Piano & Field Recordings: Wunderbar und spitzfindig geschrieben. Macht Spa...
Hans G. Gohlisch zu Chefredakteur von ZEIT ONLINE spricht über "Community Engagement und New Storytelling: Eigentlich habe ich einen Bericht über David Hoc...
adarompf@gmx.de zu „Mahana – Eine Maori-Saga”. Zwischen Tradition und Tyrannei : In allen Facetten genaue Beschreibung des Films, ...

Anzeige

Spezial - Lange Nacht der Museen Hamburg 2016

Spezial - Hamburger Architektur Sommer 2015


CDs JazzMe

Barbara Dennerlein: Christmas Soul

Drucken
(110 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Geschrieben von Willy Theobald  -  Donnerstag, den 24. Dezember 2015 um 11:04 Uhr
Barbara Dennerlein: Christmas Soul 4.3 out of 5 based on 110 votes.
Barbara Dennerlein: Christmas Soul

Wie jetzt? Weihnachtsgrooves im Samba-Rhythmus?! Ist das Blasphemie? Vielleicht noch schlimmer als ein Blowjob mit Maria und Josef? Tscha – eigentlich stehe ich in meiner mega-verkitschten Pop-, Rock- und Jazz-Weihnachtsliedersammlung ganz Hardliner-mäßig auf bodenständige Christkindelkost: Also: James Brown „Merry Christmas Baby“ grölend mit Nikolausmütze auf dem Rentierschlitten, Miles Davis Weihrauch, Myrrhe und Zwirn aus der Trompete pustend, Sid Vicious, der als punkiger Knecht Ruprecht, „Silent Night“ auf dem Dudelsack jodelt oder auch die Rap-Version von „Ihr Kinderlein kommet“ mit Public Enemy! Aber Weihnachtsjazz aus Rio de Janeiro?

CoverIgittttigittt! Irgendwie muss dieser Barbara Dennerlein ein Zimtstern aus der Krone geknallt sein. Oder hat unsere Lieblings- Hammond-Virtuosin aus München zu heftig im Weihnachtspunsch gebadet!!!! Und hat Sie nach drei Kisten Nikolaus-Bock dann doch Garmisch Patenkirchen mit der tief verschneiten Copa Cabana verwechselt. Oder war es vielleicht umgekehrt? Man weiß es nicht!

Egal: Nach dem ich mir die CD an einem sonnendurchfluteten Advents-Sonntag (die Klimakatastrophe hat auch ihre schönen Seiten) in den Player gesteckt habe, hoffte ich auf eine gediegenes Weihnachtslieder-Potpourri mit Hammond-Power. Die Barbara denke ich mir – die auch von internationalen Jazz-Publikationen („Downbeat“ bis “Jazz Journal“) immer wieder als weltweit beste Hammond-Organistin gefeiert wurde –, die wird’s schon richten. Doch nach wenigen Sekunden stehe ich kerzengerade auf meinem Eames-Chair: Wasndas? Ist denn plötzlich hitzefrei? Haben wir etwa 30 Grad im Schatten? Klimaschock im Dezember? Ich bin entsetzt!

Will mir dieses wildgewordene Tastenluder meine schönen teutonischen Weihnachten verhunzen? Und eine mildtätige Organspende (gerade mit einer Hammond B3) stelle ich mir ganz anders vor! Der Opener „Christmas Time“ klingt mehr nach Astrud Gilberto als nach Franz Xaver Gruber – und erst recht nicht nach Bryan Adams. Und diese Version von „Let It Snow“ könnte sogar bei der Kokser-Innung Freunde finden. „Blue Christmas“ wird dann auch noch funkig. Hat was von Brother Jack Mc Duff. Komischerweise bin ich schwer begeistert!

Dann kommt „We Three Kings“. Das klingt zumindest westlich weihnachtlich – mit Querflöte und so! Ich höre interessiert hin: Für maximal fünf Sekunden: Ach wie schrecklich! Eben war alles noch so sambamäßig – und jetzt plötzlich so bajuwarisch plattfüßig, als hätte Weihnachten plötzlich Schlagseite bekommen.

Gott sei Dank geht es nach qualvoll langen Diedeldammdiedeldei-Sekunden wieder weiter: „XMas Blues“ kommt soulig, bluesig, jazzig daher! Yeeeeaaaah. Endlich wieder seelenvolle Weihnachten!

Und „Little Drumer Boy“ klingt fast wie vom Blatt gespielt, verfügt aber im Hintergrund über einen interessanten Latin-Rhythmus: Zum ersten Mal seit mehreren Jahrzehnten höre ich mir diesen bis zur Unkenntlichkeit zerspielten Advents-Gassenhauer mit Begeisterung an.
Okay – bei „Silent Night“ (Track Nr. 10) reagiere dann doch etwas genervt und bei „Chim Chim Cherie“ (Track Nr.11.) stelle ich fest das Musicalmusik aus „Mary Poppins“ auch an Weihnachten nicht wirklich erträglich ist. Aber als die unvergleichliche Zara McFarlane „Blue Christmas“ mit ihrer Latin-trainierten Stimme und ihrem fast perfekten Timing zu einer Art Schlittenfahrt durch den blauen Bossa-Nova-Himmel veredelt, bin ich sofort wieder mit dem Heiligen Abend versöhnt: Schöööööööööön!

Erleichterung: Es gibt also keinen Grund mehr mich als Weihnachtsnestbeschmutzer an die Tanne zu nageln: Ich liebe traditionellen Weihnachtskitsch – nur die einheimische Krippen-Musik kann ich nicht so richtig ab. Deshalb ist Barbara Dennerleins Weihnachtsalbum „Christmas Soul“ für mich nicht nur eine ästhetische Runderneuerung sondern auch ein ultimatives Geschenk für alle. die Weihnachten mögen aber mit der regulären Christbaumbeschallung auf Kriegsfuß stehen: In diesem Sinn: You need soul!

Barbara Dennerlein: Christmas Soul
CD oder Vinyl
Label: Musikproduktion Schwarzwald (Edel)
EAN: 4029759195619
YouTube-Video: Barbara Dennerlein "Christmas Souls" (EPK)


JazzMe - In Kooperation mit Christoph Forsthoff, Sabine Meinert, Sven Sorgenfrey und Willy Theobald. Weitere CD-Kritiken, Interviews und Informationen aus der Welt des Jazz unter AboutJazz.


Abbildungsnachweis:
Headerfoto Barbara Dennerlein/PR
CD-Cover

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Mehr auf KulturPort.De

Knauer, Safaian, Schumacher: Zeitloses Treiben in Bachs Notenmeer
 Knauer, Safaian, Schumacher: Zeitloses Treiben in Bachs Notenmeer



In der CD-Reihe „Neue Meister“ präsentieren Arash Safaian, Sebastian Knauer und Pascal Schumacher die Musik nach Motiven von Bach so, wie der Meiste [ ... ]



Reeperbahn Festival 2016: Auf der Suche nach der Kunst
 Reeperbahn Festival 2016: Auf der Suche nach der Kunst



Die Autorin dieses Beitrags ist begeisterte Reeperbahn Festival-Besucherin, schaut sich aber neben dem umfassenden Konzertangebot besonders gerne im „Arts& [ ... ]



Die Zauberflöte in Hamburg: Herzattacke in der Staatsoper
 Die Zauberflöte in Hamburg: Herzattacke in der Staatsoper



Radikal entschlackt, mit großen Lichtvorhängen ins Computerzeitalter gebeamt, lässt Regisseurin Jette Steckel die Neuinszenierung von Mozarts Opernhit „ [ ... ]



„Snowden” – Patriot oder Verräter?
 „Snowden” – Patriot oder Verräter?



Das Schlachtfeld heißt Cyberspace, und für US-Regisseur Oliver Stone ist sein Protagonist ein Widerstandskämpfer mit Vorbildfunktion. Ziviler Ung [ ... ]



Ars apodemica – Foto-Text-Reisen mit Boris von Brauchitsch
 Ars apodemica – Foto-Text-Reisen mit Boris von Brauchitsch



„Manchmal fotografiert man die Welt, um sie und sich selbst besser verstehen zu können, eignet sich Dinge durch Abbilder an, um sie sich zu gegebener Zeit [ ... ]



Saisonstart mit philharmonischem Glück und symphonischem Tiefgang
 Saisonstart mit philharmonischem Glück und symphonischem Tiefgang



Die Hamburger Philharmoniker mit Kent Nagano punkten bei ihrer Saisoneröffnung mit Brahms’ Erster. Die Symphoniker Hamburg holen mit Thomas Adè [ ... ]



Weitere aktuelle Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live