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Egidijus Buožis – Jazz-Piano-Bilder aus Litauen

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Geschrieben von Hans-Juergen Fink  -  Dienstag, den 20. Oktober 2015 um 11:04 Uhr
Egidijus Buožis – Jazz-Piano-Bilder aus Litauen 4.2 out of 5 based on 138 votes.
Egidijus Buožis

Hört man die poetisch versponnene Musik, das träumerische Raunen auf dem neuen Album „Pictures“ des litauischen Jazz-Pianisten Egidijus Buožis, dann hat man sofort Bilder vor Augen: baltische Birkenwäldchen im warmen Spätsommerlicht, lange Spaziergänge an der Bernsteinküste, Feste auf dem Land (und das sind ganz andere, herzlichere Feste als eine deutsche Feier!). Musik von einem anderen mentalen Planeten.

Gemeinsam mit Größen der nordischen Jazz-Szene aus Litauen, Dänemark, Schweden, Norwegen und Deutschland wagt Buožis nach 20 Jahren endlich den Sprung auf den deutschen Markt. Den Kontakt machte der aus Litauen stammende und im NDR-Sinfonieorchester spielende Vytautas Sondeckis, erschienen ist „Pictures“ auf dem C2-Label Charade, den Vertrieb übernimmt Edel. Man kann ihnen zu diesem Glücksgriff nur gratulieren.

Cover Egidijus Buožis: PicturesEgidijus Buožis, Jahrgang 1965, ist in seinem Land ein Star. 1988 schloss er die Lithuanian Music Academy in Vilnius ab. Er gab klassische Solokonzerte und trat mit dem Staatlichen Symphonieorchester und dem litauischen Kammerorchester auf. Aber schon mit 12 Jahren hatte er sich vom Jazz-Virus infizieren lassen. Und mit 19 Jahren, noch Student der Music Academy, gewann er schon den Ersten Preis des Internationalen Jazz Improvisations-Wettbewerbs in Vilnius. Sechs CDs sind in 20 Jahren vor der aktuellen Scheibe entstanden. Jetzt, mit 50 Jahren, ist er auch in Deutschland zu hören – in seiner Musik gibt es viel zu entdecken.

Ein vielseitiger Jazzpianist aus den Wurzeln von Bach und Keith Jarrett
Auf dem neuen Album weisen die Stücke, die den Rahmen setzen, auf seine Wurzeln als Pianist. Das im Duo von Piano und Percussion gespielte dänische Volkslied „Jeg gik mig ud en sommerdag (An einem Sommertag ging ich hinaus)“ ist deutlich von den Klangwelten Keith Jarretts inspiriert. Und den Schlusspunkt setzt ein „Postludium“ für Piano solo, das sich aus der es-Moll-Fuge des ersten Bandes aus Johann Sebastian Bachs „Wohltemperiertem Klavier“ entspinnt, um bald ganz andere, heitere Wendungen zu nehmen zu gehen – eine Verbeugung vor dem Meister, dessen Handwerkszeug er virtuos für seine Zwecke einzusetzen weiß.
Volkslieder ziehen sich wie ein roter Faden durch das Album, dessen Kompositionen überwiegend von Buožis, von der First Lady des dänischen Jazz-Gesangs Caecilie Norby und vom schwedischen Bassisten und Cellisten Lars Danielsson stammen. Außerdem dabei: die wunderbar verhauchte Trompete und Stimme des Norwegers Arve Henriksen, der aus Bulgarien stammende und ebenfalls vom NDR Sinfonieorchester in Hamburg tätige Stefan Pintev, das schwedische Bassist Mattias Grönroos und der schwedische Schlagzeuger Tommy Holmgren.
Sie zaubern Klanglandschaften, in denen sich das Umherstreifen lohnt. Meist sind sie im ruhigen Volkston gehalten, ein bisschen romantisch, old fashioned, lyrisch, melodisch und ein bisschen melancholisch – eine ganze Reihe von Titeln zeigt das: Two Flowers, Hymn, Choral, Cello Theme, Reminiscence.

Stravinskys litauische Vorlage für den Beginn seines „Sacre“
Hübsch ist das litauische Volkslied „Tu mano seserele (Oh mein Schwesterchen)“, das musikalisch ein globale Riesenkarriere gemacht hat: Igor Stravinsky kopierte es getreulich – wie im Verlauf seiner Komposition auch noch andere osteuropäische Melodien – in dem Fagottsolo zu Beginn seines 1913 uraufgeführten „Sacre du Printemps“. Die Idee für die zarte Jazz-Fassung stammt von Vytautas Sondeckis, der es mit seinem Cello auch begleitet, Caecilie Norby singt es anrührend.
Es ist nicht die einzige Annäherung zwischen Kunst- und Volksmusik: Polyphonie und Polyrhythmik sind feste Bestandteile der litauischen traditionellen Volksmusik – ein gefundenes Fressen für die Jazzer, die in „Sutartine“ musikalisches kulturelles Welterbe zelebrieren, das sogar von der UNESCO anerkannt wurde. Aber auch „Per giria girele (Durch den Hain)“ gibt in seinem stampfenden Rhythmus Einblicke in eine überraschend archaische Folk-Tradition in Litauen.

Andere Ausflüge wecken nordafrikanische Assoziationen wie „Chrass“, ein Stück von Lars Danielsson, auf dem er die Gimbri, eine Kastenlaute, zupft. „Oder Flying“, das weit ins experimentelle Reich der nervösen elektronischen Musik hineinführt – ein Solitär auf dieser CD, die sich hervorragend hören lässt in einer ruhigen Stunde an Tagen, an denen es immer früher dunkel wird.

Egidijus Buožis: Pictures
CD Charade/C2 (www.c2hamburg.de)
CHA 3043


 

Abbildungsnachweis: Egidijus Buožis (c) Egidijus Buožis
CD-Cover

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