Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 1220 Gäste online

Neue Kommentare

Herby Neubacher zu Mahlers Achte: Erlösung nicht wirklich garantiert: Faellt einem ein - nicht schoen aber laut. Es leb...
Marion Sörensen zu Unsere 17. Lange Nacht der Museen in Hamburg: Ich kann der Vorrednerin nur intensiv beipflichte...
Dirk Lübben zu Gezeitenkonzerte – Musik-Festival in Ostfriesland: Sturm und Klang: Ein schöner Artikel, der Lust macht, dieses Fest...
Some dude from north of the river zu „Gimme Danger” – Liebeserklärung an Iggy Pop & The Stooges: Das klingt wunderbar. Den Film werde ich mir ganz...
Lena Baal zu Unsere 17. Lange Nacht der Museen in Hamburg: Super unterhaltsamer, informativer Artikel, in de...

Anzeige

Spezial - Lange Nacht der Museen Hamburg 2017

Spezial - Hamburger Architektur Sommer 2015


Follow Book

Stefan Panhans: „We Just Left Shore“

Drucken
(66 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Dienstag, den 09. Mai 2017 um 09:20 Uhr
Stefan Panhans: „We Just Left Shore“ 4.5 out of 5 based on 66 votes.
Stefan Panhans: „We Just Left Shore“ Foto Claus Friede

Stefan Panhans ist Künstler, bildender Künstler. Geradezu akribisch arbeitet er an seinen Werken, überwiegend Video- und Fotoarbeiten, Installationen mit inszenierten Fragmenten und, sofern vorhanden, fein ausgearbeiteten Dialogen.

Nun hat der in Hamburg und Berlin lebende Stefan Panhans seinen Debüt-Roman geschrieben.
Ob dieser Begriff wirklich passgenau sitzt, sei zunächst dahingestellt, denn seine Geschichte hat nur scheinbar einen narrativen Faden, vielmehr sind seine zwölf Kapitel eine Collage von skriptiven Bildern und Inszenierungs-, sowie Handlungsräumen. Der Videokünstler in ihm, ist auch im Gutenberg-Medium nicht zu verstecken. Wie eine nicht enden wollende Wanderung durch urbane, bildorientierte Szenerien, von unsichtbaren Assoziationen geleitet, zieht uns der Autor von einem Erlebnis in das nächste. Die Orte bleiben namenlos und wir tauchen quasi ein in ein TV-Koma, in die Phantasiewelt von teilweise verpixelten Vorstellungen, die geradezu an Halluzinationen erinnern. Gedanken so kurz wie Twitter-Posts – wir zappen uns durch die Programme aus Film, TV, Werbung und Konsum. Wir werden zu bionischen Wesen, Medienmenschen. Der Autor führt uns die Absurdität der medial überfrachteten Gesellschaft vor. Im Wahn des Mithalten-, Mitmachen-Müssens; ständig scheint eine imaginäre Jury darüber zu befinden, ob die Protagonisten und wir drinbleiben oder rausfliegen. Beim Lesen jedoch müssen wir uns vergegenwärtigen, dass wir noch selbstbestimmt sind und nicht an einem gesteuerten, vermeintlichen Roten Faden durchs Computerspiel-Leben gezogen werden.

Stefan Panhans WJLSWir kommen nicht zur Ruhe, sind Getriebene vom Treibenlassen, aktive Fremdbestimmtheit in einer Welt der morbiden Künstlichkeit. Längst weit weg von den Stränden dieser Welt, aber doch immer wieder irgendwo gestrandet. Ein wenig Forscher- und Abenteuergeist sowie eine Obsession zur „Augmented Reality“ stecken in der Erzählung, das auch als Skript gedacht werden kann.
Aggregatsveränderungen im Minutentakt, ohne dass es eine physikalische Taktung gäbe. Die Ruhelosigkeit wechselt in einen kurzen Moment der Entleerung, aber es geht nicht entspannt weiter. Der Roman ist ein permanenter Balanceakt. Nichts ist klassisch daran, weder als eindeutiger Gattungsbegriff noch in einer fiktionalen Erzählung, weil faktuale Szenen und Elemente ganze Passagen zu dominieren scheinen. Alles ist vorstellbar, weil es passende Kopfkino-, und Erinnerungsbilder dazu gibt.

Panhans’ Sprache ist mit Anglizismen durchsetzt und viele von denen sind in Versalien geschrieben, wie neon-flackernde, kaum decodierbare Herausstellungen aus einer realen Welt. Er liebt überdies die Aneinanderreihung von indifferenten Hülsen, oft bleiben die Momente – zumeist zu Beginn des Romans – in der Andeutung stecken, sind vage, wirken sogar zwischendurch unsicher: oder so... / aus irgendwelchen Gründen... / vermutlich... / glaube ich... / irgendwoher... / wahrscheinlich... etc.

Stefan Panhans führt das methodische Rollenspiel weiter, was er bildkünstlerisch seit eineinhalb Jahrzehnten kontinuierlich fokussiert – Sinnhaftigkeit ist nicht ausgeschlossen.

Stefan Panhans: „We Just Left Shore“
Textem Verlag, Hamburg, 2017
120 Seiten, 14 Euro
ISBN: 978-3-86485-166-7

Soundtrack zum Roman: Janniuk Giger, Lukas Huber
Soundcloud


Abbildungsnachweis:
Headerfoto: © Claus Friede
Buchumschlag Textem Verlag

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Kolumne > Follow Book > Stefan Panhans: „We Just Left Shore“

Mehr auf KulturPort.De

Kopf-Hörer 15: Bach
 Kopf-Hörer 15: Bach



Neues vom Planeten Bach: Dass sein Wohltemperiertes Klavier dereinst auf einem Akkordeon gespielt würde, und dann noch so grandios, wie Mie Miki das tut – [ ... ]



Sybille Homann – Glasdesign aus Hamburg St. Pauli
 Sybille Homann – Glasdesign aus Hamburg St. Pauli



„An die Flasche geraten und hängengeblieben“ – so fasst Sybille Homann ihre Biografie zusammen und meint es damit durchaus ernst. Die gebürti [ ... ]



„Nocturama”. Wenn Anarchie zu unwiderstehlicher Ästhetik mutiert
 „Nocturama”. Wenn Anarchie zu unwiderstehlicher Ästhetik mutiert



Bertrand Bonellos Leinwand-Epos „Nocturama” ist überwältigend schön und zutiefst verstörend. Die Reaktion bei Kritikern wie Publi [ ... ]



Endless: Lost Lake
 Endless: Lost Lake



Die französischen Musiker David Haudrechy (Saxophon) und Grégoire Aguilar (Piano) gehen mit ihrem neuen Album „Lost Lake“ auf eine kontemplative Re [ ... ]



Hamburger Kammeroper glänzt mit zwei Wahnsinnsopern
 Hamburger Kammeroper glänzt mit zwei Wahnsinnsopern



Zwei verrückte Menschen am Rand des Abgrunds. Unrettbar verloren die eine, sicher aufgefangen in einer reißfesten Liebe der andere. Zwei Einakter von  [ ... ]



Gemma & The Travellers: Too Many Rules & Games
 Gemma & The Travellers: Too Many Rules & Games



Bei den Ärzten hieß es: „Ist das noch Punkrock...“, und die Antwort lautete: Man weiß es nicht…! Wenn wir bei Gemma & The Travellers fragen [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.