Zum Anfang

Anzeige

AktionsPort - Gewinnspiele

Wer ist online?

Wir haben 676 Gäste online

Neue Kommentare

El Duderino zu „Elle” – Von Rache, Unterwerfung und der Komik des Schreckens : Isabelle Huppert ist die wohl beste Schauspieleri...
Anna Grillet zu „The Salesman” – Oder die Grenzen des Glücks : Ein Trailer verrät meiner Ansicht nach über ei...
Iha zu „The Salesman” – Oder die Grenzen des Glücks : Eure Besprechung ist sehr gut und zutreffend. Abe...
Isabel Mahns-Techau zu Die 17. Museumsnacht in Basel – Ein Erlebnisbericht: Lieber Claus, um diese Nacht in Basel bist Du wir...
Herby Neubacher zu Elbphilharmonie: routinierter Start im TV, Gänsehaut exklusive. Die Eröffnung im Fernsehen: Ich denke - und das wird sicher wieder nicht vero...

Anzeige

Spezial - Lange Nacht der Museen Hamburg 2016

Spezial - Hamburger Architektur Sommer 2015


Follow Book

Ralph Giordano – sein letzter Text als Hörbuch: „Die Bertinis“

Drucken
(63 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Donnerstag, den 10. Dezember 2015 um 14:35 Uhr
Ralph Giordano – sein letzter Text als Hörbuch: „Die Bertinis“ 4.6 out of 5 based on 63 votes.
Ralph Giordano

Es war Ralph Giordanos letzte große Arbeit, die der aus Hamburg stammende Schriftsteller und Publizist nur wenige Wochen vor seinem Tod am 10. Dezember vor einem Jahr vollendet hat. Jetzt ist sie als Hörbuch erschienen. Als Benefiz-Hörbuch für den Bertini-Preis e.V. in Hamburg: das Buch seines Lebens – „Die Bertinis“ – in einer kurzen Lesefassung für Einsteiger auf zwei CDs.

Gelesen wird sie von einem hochkarätigen Schauspieler-Team mit Burkhart Klaußner, Isabella Vértes-Schütter, Anne Weber, Patrick Abozen und Erik Schäffler. Regie bei der Aufnahme führte der Hamburger Theatermacher, Autor und Lichtkünstler Michael Batz. Auf einer dritten CD ist Giordano selbst noch einmal in einem NDR-Interview und mit seiner letzten Rede bei der Bertini-Preis-Verleihung zu hören.

Ralph Giordanos Idee folgend ist das Hörbuch eine Benefiz-Edition: Der Erlös aus dem Verkauf kommt dem Bertini-Preis e.V. zugute. Der Verein als breites Bündnis von Hamburger Organisationen, Institutionen und Personen, zu denen seit seiner Gründung 1997 auch das Hamburger Abendblatt gehört, trägt die jährliche Verleihung des Bertini-Preises. Ihn bekommen Hamburger Jugendliche, die sich im Sinn seines Mottos engagieren: „Hinschauen, wenn andere wegsehen, sich einmischen, wenn andere schweigen, erinnern, wenn andere vergessen, eingreifen, wenn andere sich wegdrehen, unbequem sein, wenn andere sich anpassen.“ Bis 2015 wurden 111 Gruppen und Einzelpersonen, insgesamt etwa 1.600 junge Hamburgerinnen und Hamburger mit dem Bertini-Preis ausgezeichnet.

Seinen Namen leitet der Bertini-Preis vom gleichnamigen Roman Giordanos her. Der Autor, der zuvor als Fernsehjournalist beim NDR und WDR arbeitete und für seine mehr als 100 gesellschaftskritischen Reportagen bekannt war, veröffentlichte 1982 „Die Bertinis“, das Buch seines Lebens: Er schrieb, romanhaft leicht verfremdet, die Erlebnisse seiner Kinder- und Jugendzeit auf. Geboren 1923, wuchs Giordano mit einen zwei Brüdern in Barmbek auf. Sein Vater war Pianist, seine Mutter Klavierlehrerin. Dass sie jüdische Wurzeln hatte, blieb lange Zeit fast ohne Bedeutung, bevor es während der NS-Gewaltherrschaft lebensbedrohlich wurde.
Giordano beschreibt die Ausgrenzung, Verfolgung und Erniedrigung, die viele Hamburgerinnen und Hamburger in jener Zeit erlitten. Er zeigt, wie der mörderische Ungeist sich seinen Weg in den Alltag bahnt. Und spart die bitteren Tage der Folterung während zweier Gestapo-Verhöre nicht aus. Am Ende des Krieges, als die Deportation der Mutter schon angeordnet war, versteckt eine mutige Hamburgerin die Familie in einem Kellerloch in Alsterdorf. So hat sie knapp überlebt.
Die Bertinis - HoerbuchGiordanos Buch legt den Finger in die Wunde. Es macht entgegen der allgemeinen Verdrängung bewusst, welches Unrecht geschehen war, es beschreibt die Mechanismen der Ausgrenzung und zeigt, wie man anders hätte handeln können.

Mit den „Bertinis“ fand Ralph Giordano eine neue Berufung als einer der bekanntesten und aktivsten Zeitzeugen der Republik, sein Werk ist ein umfangreiches Plädoyer für Mitmenschlichkeit und Zivilcourage und wider das Vergessen. Mit Büchern, unzähligen Artikeln und der Teilnahme an öffentlichen Debatten hat er sich unermüdlich eingemischt, laut und vernehmlich, gern auch mit unbequemer Meinung, oft bedroht, aber furchtlos.

In Hamburg unterstützte er die Idee des Pädagogen Michael Magunna, den „Bertini-Preis“ ins Leben zu rufen. Er war bei allen Jury-Sitzungen dabei und unterstrich in seinen Reden am Ende der Preisverleihungen, wie notwendig das nicht nachlassende Engagement gegen den Ungeist von rechts ist. Und wie wichtig das Eintreten für andere ist, die sich in Situationen der Bedrängnis befinden.

Natürlich wollte Giordano, schon ans Krankenbett gefesselt, bei der Produktion des Hörbuchs unbedingt dabei sein. Einen Raum in seinem Kölner Krankenhaus hatte er für die Aufnahme seiner Texte schon gefunden. Der Tod hinderte ihn daran, diese Aufgabe zu vollenden; seinen Part hat kurzfristig Burghart Klaußner übernommen. Die Kurzfassung der „Bertinis“ wurde von Norddeutschen Rundfunk Anfang 2015 in der Reihe „Am Morgen vorgelesen“ ausgestrahlt.

„Die Bertinis“
Hörbuchfassung von Raph Giordano
Sprecher Burghart Klaußner. Regie: Michael Batz
Das Hamburger Medienunternehmen Edel Records spendete die Herstellung der 3 CDs, die der Bertini-Preis e.V. nun als Hörbuch zum Preis von 14,90 € verkaufen kann.
Bestellt werden kann die Benefiz-Edition unter www.bertini-preis.de


Abbildungsnachweis:
Header: Ralph Giordano im Hamburger Rathaus
Hörbuch-Cover

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Kolumne > Follow Book > Ralph Giordano – sein letzter Text als Hör...

Mehr auf KulturPort.De

„Neruda” – Oder die unerträgliche Lächerlichkeit des Seins
 „Neruda” – Oder die unerträgliche Lächerlichkeit des Seins



„Neruda”, Pablo Larraíns neuer Film, ist ein aberwitziges Wunderwerk der Kreativität: Fiktion durchkreuzt Fiktion, überrumpelt dabei [ ... ]



Shakespeare und Verdi an der Staatsoper Hamburg – Schattenseiten der Seele
 Shakespeare und Verdi an der Staatsoper Hamburg – Schattenseiten der Seele



William Shakespeare ist seit 400 Jahren tot. Seine Werke leben bis heute und werden rund um den Globus gespielt. An der Staatsoper Hamburg feierte Verdis Shakesp [ ... ]



Mischa Kopmann: „Aquariumtrinker“
 Mischa Kopmann: „Aquariumtrinker“



Der Titel „Aquariumtrinker“, Mischa Kopmanns Erstlingsroman, ist ein Zitat aus dem Song „I am trying to break your heart“ der US-amerikan [ ... ]



Kopf-Hörer 12: 100 Jahre „1917“, 80 Jahre Philip Glass, 30 Jahre munteres Mittelalter
 Kopf-Hörer 12: 100 Jahre „1917“, 80 Jahre Philip Glass, 30 Jahre munteres Mittelalter



Musik rund ums Jahr 1917 – ein tönender Rückblick auf Krieg und Revolution. Philip Glass’ hypnotisierende Klavier-Etüden mit Vikingur  [ ... ]



Distances: Venice
 Distances: Venice



2014 gegründet, 2017 das Debüt-Album. Das europäische Jazzquartett „Distances“ mit Mitgliedern aus Lettland, Deutschland, Italien und Bulgarien, d [ ... ]



„Fences” – Die tragische Überheblichkeit eines Verlierers
 „Fences” – Die tragische Überheblichkeit eines Verlierers



Denzel Washington inszeniert das wortgewaltige Familiendrama „Fences” als Psychogramm schwarzer Identität Ende der Fünfziger Jahre in den U [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.