Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 791 Gäste online

Neue Kommentare

C.Müller zu Roots – Katja und Marielle Labèque zum Schleswig-Holstein Musik Festival in der Laeiszhalle: Erhalt des Kultursommers auf der Trabrennbahn Bah...
Marlies Lampert zu 100 Jahre Volksspielbühne Hüsung : Hallo liebe Hüsungianer,
ich bin ca. 1999...

SingulART zu Kunstmuseum Wolfsburg: This Was Tomorrow. Pop Art in Great Britain: Grossartige Ausstellung war das! Wir haben unsere...
tommy zu Ensemble Resonanz zu Gast bei NEW HAMBURG: gute sache, dass sie mal aus ihrem bunker rauskom...
Lena Baal zu Zum Tode von Peter Härtling: Peter Härtling war nicht nur ein großartiger Sc...

Anzeige


Follow Book

Beate Grimsrud: Verrückt und frei

Drucken
(42 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Mittwoch, den 04. März 2015 um 14:16 Uhr
Beate Grimsrud: Verrückt und frei 4.6 out of 5 based on 42 votes.
Beate Grimsrud

Psychosen: schmerzvoll – und unterhaltsam.
Der Roman ist nicht schön. Er ist unbequem. Er stößt bisweilen ab. Er tut manchmal weh. Und er ist recht unterhaltsam.


Beate Grimsruds autobiografischer Roman „Verrückt“ und frei erzählt den Lebensweg der Schriftstellerin Eli und all ihrer psychotischen Persönlichkeiten durch Kindheit, Karrieren, Psychatrien und Therapien. Mit fünf Jahren taucht die erste Jungenstimme in ihr auf: Espen. Bald folgen Emil und Erik. Diese drei bestimmen ihr Denken und Handeln. Erik lässt sie randalieren, sich verletzen, andere angreifen. Espen weint für sie. Sie alle reden auf sie ein und Eli kann kaum mehr tun als „Ja, ja, ja!" zu antworten und zu folgen.

altEli säuft. Eli nimmt Drogen. Eli schreibt, schickt ihre Geschichten bei Sendern ein und hat sofort Erfolg. Sie bricht aus und zusammen. Die Mutter duldet keine Trauer, keinen Schmerz. Der Vater ist neurotisch. Die geliebte Schwester verlässt erst die Heimat, dann stirbt sie. Eli taumelt weiter durch Drogen, Erfolg, Sport und Psychose. Sie verlässt Norwegen für Schweden, schreibt fortan in Norwegisch. Weitere Stimmen kommen hinzu: Ein Prinz noch im Kopf, eine Frau und zwei Männer im Ohr. Freunde retten sie immer wieder, begleiten sie in den Therapien. Liebe inspiriert sie, befreit sie. Und zerstört sie. Baut sie wieder auf.

Wieder und wieder wird sie fixiert. Wieder und wieder schreibt sie und wird gefeiert. Das alles ist manchmal kaum auszuhalten. Grimsrud erzählt distanzlos in stets kleinen Sequenzen. Sehr selten gibt es mal eine Außenperspektive durch einen Auszug aus einer Patientenakte.

All diese Sequenzen sind wie wohldosierte Schmerzen. Zugleich sind sie kurze Einblicke in extremes Leben und Erleben. Grimsrud wird gefeiert dafür: Für „Verrückt“ und frei erhielt sie den Norwegischen Kritikerpreis und war von schwedischer und norwegischer Seite für den Nordischen Literaturpreis nominiert.

Psychosen sind faszinierend. Und offenbar unterhaltsam – selbst für Psychater und Neurologen: Oliver Sacks hat mit seinen Anekdoten neurologischer Phänomene aus der Praxis wie Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte eine große Leserschaft. Filme wie Birdman, Memento, Fight Club und A Beautiful Mind lassen ihre Zuschauer schauernd fragen nach Realität und der Gewissheit ihrer Wahrnehmungen.

Doch die Frage ist – sollte sein – was wird erzählt anhand dieser Krankheit? Welchen Zweck hat die Krankheit in der Erzählung? Denkbar sind da viele. Zumindest könnte das Phänomen Psychose auch Nichtbetroffenen vermittelt werden – denn schnell kann man ja zum Betroffenen werden. Bewusst sollte dabei aber auch sein, dass vielen Formen psychotischer Krisen, ihr Auftreten und ihre Manifestation, auch prägbar sind. Unser Bild von Psychosen bestimmen also auch Psychosen mit.

Beate Grimsrut erzählt von einer Person mit vielfältigen psychotischen Krisen. Sie erzählt faszinierend, inspiriert von ihrem eigenen Schicksal. Und das ist es, was sie erzählt. Ihr Erleben. Ihre Wahrnehmung. Und der Leser liest zu. Nicht weniger. Nicht mehr.

Beate Grimsrud: Verrückt und frei
btb
Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
ISBN: 978-3-442-75336-9
22,99 €
epub
ISBN:978-3-641-12162-4
18,99 €

Leseprobe


Abbildungsnachweis:
Header: Beate Grimsrud. Foto: © Cato Lein/Verlagsgruppe Random House
Buchumschlag

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Kolumne > Follow Book > Beate Grimsrud: Verrückt und frei

Mehr auf KulturPort.De

Achim Freyer und sein „Parsifal“ in Hamburg: Viel Bühne, wenig Weihe, eine Menge Spiel
 Achim Freyer und sein „Parsifal“ in Hamburg: Viel Bühne, wenig Weihe, eine Menge Spiel



Es ist dunkel in der Hamburger Gralsburg, als Achim Freyer mit seiner „Parsifal“-Interpretation den Start in die neue Saison der Staatsoper zelebriert. Der 8 [ ... ]



Jens Düppe: Dancing Beauty. Eine Hommage an John Cage
 Jens Düppe: Dancing Beauty. Eine Hommage an John Cage



Wie kann ein Künstler heute ungebunden und frei arbeiten? Ungebunden ist durchaus möglich – frei arbeiten stößt aus unterschiedlichen Gründen an Grenzen.  [ ... ]



Maria Callas – zum 40. Todestag am 16. September 2017
 Maria Callas – zum 40. Todestag am 16. September 2017



Ingeborg Bachmann erahnte es Anfang 1956, als sie in der Mailänder Scala Maria Callas, die einzige Person erlebte, „die rechtmäßig die Bühne in diesen Jahr [ ... ]



Arbeitsgemeinschaft des Kunsthandwerks Hamburg: „Geld oder Leben – Nachdenken über Nachhaltigkeit“, ein Symposium
 Arbeitsgemeinschaft des Kunsthandwerks Hamburg: „Geld oder Leben – Nachdenken über Nachhaltigkeit“, ein Symposium



„So interessant und inspirierend! Das muss man unbedingt wiederholen!“
Der Tag war lang, acht Vorträge in fast zehn Stunden – doch die rund 50 Teilnehme [ ... ]



Richard Davis: Safety Net
 Richard Davis: Safety Net



Richard Davis, aufgewachsen Ende der Sechziger Jahre in London und seit den 1990er-Jahren in Berlin lebend, hat eine weiche, helle, aber sehr eigene Stimme, die  [ ... ]



Edelzarte Miniaturen und ganz großer Schubert – mit dem Auryn Quartett
 Edelzarte Miniaturen und ganz großer Schubert – mit dem Auryn Quartett



Mit einem anspruchsvollen Programm wurde das Internationale Mendelssohn Festival in der Laeiszhalle Hamburg eröffnet. Kammermusik von Mendelssohn und Schubert,  [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.