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Harbour Front: Was Sehnsucht bewegt

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Samstag, den 18. September 2010 um 15:02 Uhr
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Sehnsucht in der Literatur

Im abendlichen Gespräch zwischen dem Schriftsteller und Dramaturg John von Düffel mit dem Autor und Leiter des Literaturhauses Rainer Moritz begab man sich im Foyer von Kühne + Nagel schließlich auf die Spurensuche der Sehnsucht in der Belletristik.

Bescheiden im Auftreten und mit hinreißendem Sprachgefühl ließ John von Düffel das Publikum unter anderem eintauchen in seine kurze Erzählung über die Alphabetisierung des Blaus. Das Erzählen über Wasser macht die Farbe Blau erst für das Vorstellungsvermögen fassbar. Blau als Farbe der Sehnsucht und Wasser als Element der Verwandlung gingen hier ineinander über. Transzendenz als ein Merkmal der Sehnsucht. Die Situation soll sich ändern. Die Zeit. Der Raum. Man selbst. Das Unscharfwerden der Grenze ist entscheidend. Das Überschreiten der Grenze. Das Gefühl der Unendlichkeit, in dem das Ziel selbst vage wird.

Rainer Moritz griff dies auf und ergänzte, dass sobald das Ziel konkret benannt würde auch weniger von Sehnsucht als von Wünschen/ Wollen/ Begehren zu sprechen sei. „Sehnsucht nach einem Mercedes“ sei doch zum Beispiel nicht so recht treffend. Aus dem Publikum kam jedoch der Einwand, dass Sehnsucht sehr wohl konkret sein könne, sobald es sich um die Liebe handelt. Hier sehne man sich in schmerzlicher Differenziertheit mit allen Sinnen nach dem vermissten Körper, nach der Stimme, dem Geruch.

Die Lust an der Verwandlung, die Sehnsucht ein anderer sein zu dürfen, war ein weiterer Themenkomplex des Abends. Gerade als Schauspieler genießt man es, in die Lebenswelt eines anderen zu springen, in der andere Regeln – oder auch mal keine – gelten. Ob Urlaub vom eigenen Leben oder als verhältnismäßig risikofreies Experimentieren mit Alternativen des Lebensentwurfs, für den man sich entschieden hat: Hier öffnet sich die gedankliche Projektionsfläche in ein großes „was wäre wenn…“.

Auch als Autor einer Geschichte hat man es in der Hand, seine Protagonisten auf eine Reise zu schicken, die einem in all ihren Konsequenzen selbst zum Glück – oder leider – erspart bleibt. Doch bleibt diese Erfahrung ganz in der Vorstellungswelt und ist weit entfernt von der Einlösung in der Realität. Sehnsucht ist ein sehr selbstgenügsames, passives Gefühl. Die Überwindung von Zeit und Raum wird gerne dem anderen überlassen, während man selbst ganz damit beschäftigt ist, sich zu verzehren. Irgendwann beginnt man sich zu fragen, was einem wichtiger ist: Das Gefühl der Sehnsucht oder das Erreichen des Ziels. Sehnsucht ist flüchtig. Hat man erst das Objekt der Begierde, ist die Sehnsucht schon verschwunden.

Dieser Abend weckte ohne Frage Sehnsucht. Sehnsucht nach einem magischen Moment, in dem sich etwas verwandelt. Was, das entscheidet jeder selbst.



Foto: Katja von Düffel

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